KunstHartz

KunstHartz

Die Geschichte von KunstHartz

Genau genommen ist alles aus KunstHartz heraus entstanden: Über eine Annonce traf sich im Frühjahr 2007 eine kleine Gruppe von Künstlern, um gemeinsam Kunst zu machen und trotz finanziellem Druck den Wert des eigenen Tuns nicht in Zweifel zu stellen. Die Annoncenstellerin Maren Moormann dachte anfangs nur an eine kleine Kunstausstellung, eine Vernissage, gemacht von Menschen, die ähnlich wie sie selbst von den Mühlen des Arbeitsamtes zerrieben zu werden drohten, sah dann aber bei dem ersten Treffen, dass sich Künstler aus verschiedensten Sparten gemeldet hatten. So wurde die Grundidee gleich schon in den ersten Stunden erweitert.

Generell geht die Berufung zum Künstler meistens mit einer schlechten wirtschaftlichen Situation einher. Für die meisten Künstler ist es schwierig, von ihrer Arbeit zu leben. Es reicht offenbar nicht, die Arbeit, zu der man sich berufen fühlt, zu bewerkstelligen, sondern als wesentlich größere Frage stellt sich zuerst, ob man in der Lage ist, die eigene Existenz zu bezahlen. Bezahlen! ... Bezahlen? Ja. Und hierbei geht es nicht darum, den Preis mit ehrlicher Arbeit aufzuwägen, sondern mit Geld. Für viele Menschen (darunter auch die meisten Künstler) bedeutet dies, dass sie, um an dieses Geld zu kommen, zusätzliche berufsfremde Arbeiten erledigen müssen, die weder ihrem Wunsch noch ihrer Motivation entspringen. Da die meisten aber ihren Schwerpunkt in ihrer künstlerischen Arbeit sehen, sind kaum noch genügend zeitliche Ressourcen übrig, um mit einer Arbeit (die meist auch noch mit einem eher geringen Stundenlohn versehenen ist) das benötigte Geld für die Existenz zusammen zu kratzen. Der Beruf des Künstlers ist, wenn er ernsthaft vorangetrieben wird, genauso ein Fulltimejob wie der eines IT-Administrators, eines Geschäftsmenschen oder jedweden anderen gesellschaftlich anerkannten Berufes. Und es steht wohl außer Frage, dass ein Mensch neben einem Fulltimejob kaum noch in der Lage ist, weitere Jobs zu schaffen - auch wenn es in unserer Zeit von immer mehr Menschen mit Selbstverständlichkeit verlangt wird.

GruppenbildAber zurück zu unserer Gruppe im Mai 2007: Sehr schnell spaltete sich die Gruppe über der Frage, ob das künstlerische Tun auch dazu benutzt werden solle, um auf die schwierige Situation von Menschen, die von Hartz IV abhängig sind, aufmerksam zu machen.
Während die einen befanden, alle Berührungspunkte mit diesem Thema müssten vermieden werden, damit potenzielle Kunden nicht abgeschreckt würden (denn nur der mittellose Künstler, der auf einem Pariser Dachboden haust und rauschende Feste im Moulin Rouge feiert, ist romantisch, nicht jedoch der profane Hartz IV-Empfänger, der eine künstlerische Ausbildung hat und diese zum täglichen Broterwerb einsetzen möchte), KunstHartz-Logo waren die anderen der Auffassung, genau dies müsse die entstehende Gruppe von jeder beliebigen Künstlergruppe unterscheiden: mit gesellschaftlichen Bewertungen und ihren oft erschreckenden Folgen für den Einzelnen in seiner Identität und seinem Selbstwertgefühl. Nachdem sich die zweite Ausrichtung durchgesetzt hatte, wurden ein Name und ein Logo gefunden: KunstHartz war geboren.

Als erstes Projekt organisierte die Gruppe eine Auftaktveranstaltung in den Räumen von Kubus³ in Haslach im November 2007. Hier hatten alle Beteiligten die Gelegenheit, sich vor ca. 80 Zuschauern mit ihrer Kunst zu präsentieren. So gab es neben einer Ausstellung von Bildern und Objekten Musik, Kabarett und zum Abschluss eine orientalisch angehauchte Disco mit Djembe-Klängen.
Parallel entwickelten sich mit den Akteuren von KunstHartz eigenständige Projekte wie z.B. der BettlerChor Freiburg oder der Info-Bollerwagen, den KunstHartz-Künstler für den Runden Tisch zu den Auswirkungen der Hartz-Gesetze entwickelten und bauten und der regelmäßig in den Beratungen vor dem Arbeitsamt zur Anwendung kommt.

Es wurde immer deutlicher, dass eine Vereinsstruktur hilfreich wäre, um die vielfältigen Aktivitäten zu bündeln. So kam es, das man sich 2011 dafür entschied, den Verein SchweresLos! zu gründen, der den BettlerChor, Kunsthartz mit all seinen Aktivitäten und auch das Projekt "Lebenskünstler" unter diesem gemeinsamen Namen verwalten sollte.

KunstHartz ist seitdem "nur" noch eine Art Label, unter dem aber auch weiterhin Aktionen und Projekte laufen. KunstHartz ist im Laufe der Zeit zu einem Namen geworden, mit dem viele Freiburger Aktivitäten und Ereignisse verbinden, die ein künstlerisches Sprachrohr für sogenannte Randgruppen sein wollen.

Zu der anfänglichen Gruppe sind übrigens immer mehr hinzugekommen. Und einige sind auch wieder gegangen. Manche schauen hin und wieder mal vorbei. Maren ist nach wie vor ganz vorne mit dabei. Genauso wie Michael, der 2008 dazustieß. Und auch Martin, Falko, Rochus, Christine, Dietrun, Jürgen, Juditha, Friedhilde, ......


Hier noch zwei Interviews von Radio Dreyeckland aus dem Jahre 2009:


SchweresLos! e.V. Freiburg im Breisgau